deutsche dichter de

Des ersten Bergmanns ewige Jugend

<p class="vers">Ein Knabe lacht sich an im Bronnen,     <br />
H&auml;lt Festtagskuchen in der Hand,     <br />
Er hatte lange nachgesonnen,     <br />
Was drunten f&uuml;r ein neues Land.     <br />
Gar lange hatte er gesonnen     <br />
Wie drunten sei der Quelle Lauf;     <br />
So grub er endlich einen Bronnen,     <br />
Und rufet still in sich: &quot;Gl&uuml;ckauf!&quot;     <br />
Ihm ist sein Kopf voll Fr&ouml;hlichkeiten,     <br />
Von selber lacht der sch&ouml;ne Mund,     <br />
Er wei&szlig; nicht, was es kann bedeuten,     <br />
Doch tut sich ihm so vieles kund.</p>
<p class="vers">Er h&ouml;ret fern den Tanz erschallen,     <br />
Er ist zum Tanzen noch zu jung,     <br />
Der Wasserbilder spiegelnd Wallen     <br />
Umzieht ihn mit Verwandelung,     <br />
Es wandelte wie Wetterleuchten     <br />
Der hellen Wolken Wunderschar,     <br />
Doch anders will es ihm noch deuchten,     <br />
Als eine Frau sich stellet dar:     <br />
Da weichen alle bunten Wellen,     <br />
Sie schauet, k&uuml;&szlig;t sein spiegelnd Bild,     <br />
Er sieht sie, wo er sich mag stellen,     <br />
Auch ist sie gar kein Spiegelbild.</p>
<p class="vers">&quot;Ich hab nicht Fest, nicht Festes Kuchen,     <br />
Bin in den Tiefen lang verbannt!&quot;     <br />
So spricht sie, m&ouml;chte ihn versuchen,     <br />
Er reicht ein St&uuml;ck ihr mit der Hand;     <br />
Er kann es gar kein Wunder nennen,     <br />
Viel wunderbarer ist ihm heut,     <br />
In seinem Kopf viel Lichter brennen     <br />
Und ihn umf&auml;ngt ganz neue Freud;     <br />
Von seiner Schule dumpfem Zimmer,     <br />
Von seiner Eltern Scheltwort frei,     <br />
Umflie&szlig;et ihn ein sel'ger Schimmer,     <br />
Und alles ist ihm einerlei.</p>
<p class="vers">Sie fa&szlig;t die Hand, dem Knaben schaudert,     <br />
Sie ziehet stark, der Knabe lacht,     <br />
Kein Augenblick sein Mut verzaudert,     <br />
Er zieht mit seiner ganzen Macht,     <br />
Und hat sie kr&auml;ftig &uuml;berrungen     <br />
Die K&ouml;nigin der dunklen Welt,     <br />
Sie f&uuml;rchtet harte Mi&szlig;handlungen     <br />
Und bietet ihm ihr blankes Geld.     <br />
&quot;Mag nicht Rubin, nicht Goldgeflimmer&quot;,     <br />
Der starke Knabe schmeichelnd spricht,     <br />
&quot;Ich mag den dunklen Feuerschimmer     <br />
Von deinem wilden Angesicht.&quot;</p>
<p class="vers">&quot;So komm zur K&uuml;hlung mit hinunter!&quot;     <br />
Die K&ouml;nigin, ihm schmeichelnd, sagt,     <br />
&quot;Da unten bl&uuml;ht die Hoffnung bunter,     <br />
Wo bleichend sich das Gr&uuml;n versagt.     <br />
Don zeige ich dir gro&szlig;e Sch&auml;tze,     <br />
Die reich den lieben Eltern hin,     <br />
Die streichen da nach dem Gesetze,     <br />
Wie ich dir streiche &uuml;bers Kinn.&quot;     <br />
So r&uuml;hrt sie seiner Sehnsucht Saiten,     <br />
Die Sehnsucht nach der Unterwelt,     <br />
Gar sch&ouml;ne Melodien leiten     <br />
Ihn in ihr starres Lagerzett.</p>
<p class="vers">Gar freudig klettert er hinunter,     <br />
Sie zeigt ihm ihrer Adern Gold,     <br />
In Flammen spielt Kristall da munter,     <br />
Der Knabe spielt in Minnesold.     <br />
Er ist so gar ein wackrer Hauer     <br />
Mit wilder K&uuml;hnheit angetan,     <br />
Hat um sein Leben keine Trauer,     <br />
Macht in den Tiefen neue Bahn,     <br />
Und bringet dann die goldnen Stufen     <br />
Von seiner K&ouml;n'gin Kammert&uuml;r,     <br />
Als ihn die Eltern lange rufen     <br />
Zu seinen Eltern k&uuml;hn herf&uuml;r.</p>
<p class="vers">Die Eltern freuen sich der Gaben     <br />
Und sie erzwingen von ihm mehr,     <br />
Viel Schl&ouml;sser sie erbauet haben     <br />
Und sie besolden bald ein Heer:     <br />
Er mu&szlig; in strenger Arbeit geben,     <br />
Worin sie prunken ohne Not.     <br />
Einst h&ouml;rt er oben festlich Leben,     <br />
Den trocknen Kuchen man ihm bot.     <br />
Da kann die K&ouml;n'gin ihn nicht halten,     <br />
Mit irdisch kaltem Todesarm,     <br />
Denn in dem Knaben aufw&auml;rts wallten,     <br />
So Licht als Liebe herzlich warm.</p>
<p class="vers">Er tritt zum Schlo&szlig; zum frohen Feste,     <br />
Die Eltern staunen ihn da an,     <br />
Es blickt zu ihm der Jungfraun Beste,     <br />
Es fa&szlig;t ihr Blick den sch&ouml;nen Mann,     <br />
Im Bergkleid tritt er mit zum Tanze     <br />
Und hat die Jungfrau sich erw&auml;hlt,     <br />
Und sie beschenkt ihn mit dem Kranze,     <br />
Er hat die K&uuml;sse nicht gez&auml;hlt.     <br />
Da sind die Br&uuml;der zugetreten     <br />
Und seine Eltern allzugleich,     <br />
Die alle haben ihn gebeten,     <br />
Da&szlig; er doch von dem Feste weich.</p>
<p class="vers">Da hat er trotzig ausgerufen:     <br />
&quot;Ich will auch einmal lustig sein,     <br />
Und morgen bring ich wieder Stufen     <br />
Und heute geh ich auf das Frein!&quot;     <br />
Da hat er einen Ring genommen,     <br />
Vom Gold, wie es noch keiner fand,     <br />
Den hat die Jungfrau angenommen,     <br />
Als er ihn steckt an ihre Hand,     <br />
Dann sitzt er froh mit ihr zum Weine,     <br />
Hat manches Glas hinein gest&uuml;rzt;     <br />
Sp&auml;t schwankt er fort und ganz alleine,     <br />
Manch liebreich Bild die Zeit verk&uuml;rzt.</p>
<p class="vers">Die Lieb ist aus, das Haus geschlossen     <br />
Im Schacht der reichen K&ouml;nigin;     <br />
Er hat die T&uuml;re eingesto&szlig;en     <br />
Und steigt so nach Gewohnheit hin.     <br />
Die Eifers&uuml;cht'ge h&ouml;rt ihn rufen,     <br />
Sie leuchtet nicht, er st&uuml;rzt herab,     <br />
Er fand zur Kammer nicht die Stufen,     <br />
So findet er nun dort sein Grab.     <br />
Nun seufzt sie, wie er sch&ouml;n gewesen,     <br />
Und legt ihn in ein Grab von Gold,     <br />
Das ihn bewahrt vor dem Verwesen,     <br />
Das ist ihr letzter Minnesold.</p>
<p class="vers">Die Eltern haben ihn vergessen,     <br />
Da er nicht kommt zum Licht zur&uuml;ck,     <br />
Und andre Kinder unterdessen     <br />
Erw&uuml;hlen neu der Erde Gl&uuml;ck,     <br />
Und bringen andre sch&ouml;ne Gaben,     <br />
An Silber, Kupfer, Eisen, Blei,     <br />
Doch mit dem Gold, was er gegraben,     <br />
Damit scheint es nun ganz vorbei.     <br />
Die Jungfrau lebet nur in Tr&auml;nen,     <br />
Die Liebe nimmt der Hoffnung Lauf     <br />
Und meint in ihrer Hoffnung W&auml;hnen,     <br />
ihr steh das Gl&uuml;ck noch einmal auf.</p>
<p class="vers">Gl&uuml;ck auf! nach funfzig sauren Jahren     <br />
Ein k&uuml;hner Durchschlag wird gemacht,     <br />
Die K&ouml;n'gin k&auml;mpfet mit den Scharen     <br />
Und hat gar viele umgebracht.     <br />
Sie hat gestellt viel b&ouml;se Wetter,     <br />
Die um des Lieblings Grabmal stehn,     <br />
Doch Klugheit wird der K&uuml;hnen Retter,     <br />
Sie lassen die Maschinen gehn;     <br />
Da haben sie den Knaben funden     <br />
In kalten H&auml;nden kaltes Gold,     <br />
So hat er sterbend noch umwunden     <br />
Die K&ouml;nigin, die ihm einst hold.</p>
<p class="vers">Zur Luft ihn tragend alle fragen,     <br />
&quot;Wei&szlig; keiner, wer der Knabe war,     <br />
Ein sch&ouml;ner Bursche, zum Beklagen,     <br />
Gar viele rafft hinweg das Jahr,     <br />
Doch keiner je so wohl erhalten     <br />
Kam aus der Erde Scho&szlig; zur&uuml;ck,     <br />
Denn selbst die fl&uuml;chtigen Farben walten     <br />
Noch auf der Wangen frohem Gl&uuml;ck;     <br />
Es sind noch weich die starken Sehnen,     <br />
Es zeigt die Tracht auf alte Zeit,     <br />
Er kostete wohl viele Tr&auml;nen,     <br />
Jetzt kennt ihn keiner weit und breit.&quot;</p>
<p class="vers">Die Jungfrau war tief alt geworden,     <br />
Seit jenem Fest, wo sie ihn sah,     <br />
Sp&auml;t trat sie in den Nonnenorden     <br />
Und geht vorbei und ist ihm nah;     <br />
Sie kommt gar m&uuml;hsam hergegangen,     <br />
Gest&uuml;tzt auf einem Kr&uuml;ckenstab,      <br />
Ein Traum hielt sie die Nacht umfangen,      <br />
Da&szlig; sie den Br&auml;ut'gam wieder hab.      <br />
Sie sieht ihn da mit frischen Wangen,      <br />
Als schliefe er nach sch&ouml;ner Lust,      <br />
Gern weckte sie ihn mit Verlangen,      <br />
Hier st&uuml;rzt sie auf die stille Brust.</p>
<p class="vers">Da f&uuml;hlt sie nicht das Herr mehr schlagen,      <br />
Die M&auml;nner sehn verwundert zu:      <br />
&quot;Was will die Hexe mit dem Knaben,      <br />
Sie sollt ihm g&ouml;nnen seine Ruh.      <br />
Das w&auml;r doch gar ein schlimm Erwachen,      <br />
Wenn er erwachte, frisch gesund,      <br />
Und sie ihn wollte froh anlachen      <br />
Und h&auml;tte keinen Zahn im Mund.&quot;      <br />
Jetzt schauet sie sein hart Erstarren,      <br />
An dieser neuen Himmelsluft,      <br />
Die Farbe will nicht l&auml;nger harren,      <br />
Die treu bewahrt der K&ouml;n'gin Gruft.</p>
<p class="vers">Hier ist die Jugend, dort die Liebe,      <br />
Doch sind sie beide nicht vereint,      <br />
Die sch&ouml;ne Jugend scheint so m&uuml;de,      <br />
Die alte Liebe trostlos weint.      <br />
Was half es ihr, wenn er nun lebte,      <br />
Und w&auml;re nun ein alter Greis,      <br />
Ihr Herz wohl nicht mehr zu ihm strebte,      <br />
Wie jetzt zu dieses Toten Preis.      <br />
Wie eine Statue er da scheinet      <br />
Von einem lang verge&szlig;nen Gott,      <br />
Die Alte treu im Dienst erscheinet      <br />
Und ist der jungen Welt zum Spott.</p>
<p class="vers">Es mag der F&uuml;rst sie nimmer scheiden,      <br />
Er schenket ihr den Leichnam mild,      <br />
Verla&szlig;ne m&ouml;chten ihr wohl neiden      <br />
Ein also gleich und &auml;hnlich Bild.      <br />
Da sitzet sie nun vor dem Bilde,      <br />
Die H&auml;nde sanft gefalten sind,      <br />
Und sieht es an und l&auml;chelt milde,      <br />
Und spricht: &quot;Du liebes, liebes Kind,      <br />
Kaum haben solche alte Frauen,      <br />
Wie ich noch solche Kinder sch&ouml;n,      <br />
Als meinen Enkel mu&szlig; ich schauen,      <br />
Den ich als Br&auml;ut'gam einst gesehn.&quot;</p>