deutsche dichter de

Brennende Liebe

<p>Und willst du wissen, warum<br />
So sinnend ich manche Zeit,<br />
Mitunter so t&ouml;richt und dumm,<br />
So unverzeihlich zerstreut,<br />
Willst wissen auch ohne Gnade,<br />
Was denn so Liebes enth&auml;lt<br />
Die heimlich verschlossene Lade,<br />
An die ich mich &ouml;fters gestellt?<br />
<br />
Zwei Augen hab' ich gesehn,<br />
Wie der Strahl im Gew&auml;sser sich bricht,<br />
Und wo zwei Augen nur stehn,<br />
Da denke ich an ihr Licht.<br />
Ja, als du neulich entwandtest<br />
Die Blume vom bl&uuml;henden Rain<br />
Und &raquo;Oculus Christi&laquo; sie nanntest,<br />
Da fielen die Augen mir ein.<br />
<br />
Auch gibt's einer Stimme Ton,<br />
Tief, zitternd, wie Hornes Hall,<br />
Die tut's mir v&ouml;llig zum Hohn,<br />
Sie folget mir &uuml;berall.<br />
Als j&uuml;ngst im flimmernden Saale<br />
Mich qu&auml;lte der Geigen Gegell,<br />
Da h&ouml;rt' ich mit einem Male<br />
Die Stimme im Violoncell.<br />
<br />
Auch wei&szlig; ich eine Gestalt,<br />
So leicht und kr&auml;ftig zugleich,<br />
Die schreitet vor mir im Wald<br />
Und gleitet &uuml;ber den Teich;<br />
Ja, als ich eben in Sinnen<br />
Sah &uuml;ber des Mondes Aug'<br />
Einen Wolkenstreifen zerrinnen,<br />
Da war ihre Form, wie ein Rauch.<br />
<br />
Und h&ouml;re, h&ouml;re zuletzt,<br />
Dort liegt, da drinnen im Schrein,<br />
Ein Tuch mit Blute genetzt,<br />
Das legte ich heimlich hinein.<br />
Er ritzte sich nur an der Schneide,<br />
Als Beeren vom Strauch er mir hieb,<br />
Nun hab' ich sie alle beide,<br />
Sein Blut und meine brennende Lieb'.</p>