deutsche dichter de

Choral vom Manne Baal

1 Als im weißen Mutterschoße aufwuchs Baal,
War der Himmel schon so groß und still und fahl
Jung und nackt und ungeheuer wundersam,
Wie ihn Baal dann liebte, als Baal kam.

2 Und der Himmel blieb in Lust und Kummer da,
Auch wenn Baal schlief, selig war und ihn nicht sah:
Nachts er violett und trunken Baal,
Baal früh fromm, er aprikosenfahl.

3 In der Sünder schamvollem Gewimmel
Lag Baal nackt und wälzte sich voll Ruh:
Nur der Himmel, aber immer Himmel,
Deckte mächtig seine Blöße zu.

4 Alle Laster sind zu etwas gut
Und der Mann auch, sagt Baal, der sie tut.
Laster sind was, weiß man, was man will.
Sucht euch zwei aus: eines ist zuviel!

5 Seid nur nicht faul und so verweicht,
Denn Genießen ist bei Gott nicht leicht!
Starke Glieder braucht man und Erfahrung auch:
Und mitunter stört ein dicker Bauch.

6 Zu den feisten Geiern blinzelt Baal hinauf,
Die im Sternenhimmel warten auf den Leichnam Baal.
Manchmal stellt sich Baal tot. Stürzt ein Geier drauf,
Speist Baal einen Geier, stumm, zum Abendmahl.

7 Unter düstern Sternen in dem Jammertal
Grast Baal weite Felder schmatzend ab.
Sind sie leer, dann trottet singend Baal
In den ewigen Wald zum Schlaf hinab.

8 Und wenn Baal der dunkle Schoß hinunterzieht:
Was ist Welt für Baal noch? Baal ist satt.
So viel Himmel hat Baal unterm Lid,
Dass er tot noch grad gnug Himmel hat.

9 Als im dunklen Erdenschoße faulte Baal,
War der Himmel noch so groß und still und fahl,
Jung und nackt und ungeheuer wunderbar,
Wie ihn Baal einst liebte, als Baal war.