deutsche dichter de

Cotill

Cotill, der, wie es vielen geht,
Nicht wußte, was er machen sollte,
Und doch nicht müßig bleiben wollte;
Denn müßig gehn, wenn mans nicht recht versteht,
Ist schwerer, als man denken sollte;
Cotill ging also vor die Stadt,
Und machte sich etwas zu schaffen.
Er ging, und schlug im Gehen oft ein Rad.
»O«, schrie man, »seht den jungen Laffen,
Der den Verstand verloren hat!
Er macht die Hände gar zu Füßen.
Ihr Kinder, zischt den Narren aus!«
Allein Cotill ließ sich dies alles nicht verdrüßen.
Kurz, es gefiel ihm so, er ging vors Tor hinaus.
Man mochte, was man wollte, sagen,
Er fuhr doch fort, im Gehn sein Rad zu schlagen. 
»Der Teufel! Seht, das war ein rechtes Rad!«
Fing endlich einer an zu fluchen.
»Ich möcht es doch bald selbst versuchen.«
Er sagt es kaum, als ers schon tat.
»Nun«, sprach er, »seh ich wohl, wieviel man Vorteil hat.
Es ist ganz hübsch um so ein Rad,
Denn man erspart sich viele Schritte.
Der Mann ist nicht so dumm, der es erfunden hat.«
Den Tag darauf kam schon der dritte,
Und tat es nach. Die Zahl vermehrte sich.
In kurzem sprach man schon gelinder;
Man fragte stark nach dem Erfinder,
Und lobt ihn endlich öffentlich. 
 
Nimm alles vor, es sei so toll es will.
Heiß anfangs närrisch wie Cotill;
Dein Beifall ist drum nicht verloren.
Sei nur beherzt, und spare keinen Fleiß,
Ein Tor findt allemal noch einen größern Toren,
Der seinen Wert zu schätzen weiß.