deutsche dichter de

Der Informator

Ein Bauer, der viel Geld und nur zwei Söhne hatte,
Nahm einen Informator an.
"Ich," sprach er, "und mein Ehegatte,
Wir übergeben Ihm, als einen wackern Mann,
Was uns am Liebsten ist. Leit' Er sie treulich an.
Er sieht', es sind zwei munt're Knaben,
Und freilich wird Er Mühe haben;
Jedoch ich will erkenntlich sein.
Ich halte viel auf's Rechnen und auf's Schreiben;
Das lass' Er sie recht fleißig treiben,
Und präg' Er ihnen ja das Christentum wohl ein!
Ich kann's ihm nicht so recht beschreiben;
Allein Er wird mich wohl versteh'n,
Ich möchte sie gern klug und ehrlich seh'n;
Das macht bei aller Welt gelitten,
Und ist vor Gott im Himmel schön.
Erfüll' Er also meine Bitten!
Hier geb' ich Ihm zwei Stübchen ein,
Und was Er braucht, das soll zu Seinen Diensten sein."
Der Lehrer fand ein Herz bei seinen Bauernknaben,
Wie hundert Junker es nicht haben.
Ein braver Mann, geschickt im Unterrichten,
Erfüllt' er redlich seine Pflichten,
Und das gefiel dem Vater sehr.
Er hielt ihn ungemein in Ehren,
Kam oft, den Kindern zuzuhören,
Weil es die Pflicht der Väter wär'.

Nun war ein Jahr vorbei. "Herr," sprach der gute Bauer,
"Was soll für Seine Mühe sein?"

"Ich ford're dreißig Taler." - "Nein,
Nein!" fiel der Alte hitzig ein,
"Sein Informatordienst ist sauer.
So kriegte ja der Großknecht, der mir pflügt,
Beinah so viel, als der Gelehrte kriegt,
Der das besorgt, was mir am Herzen liegt.
Die Kinder nützen Ihn ja für ihr ganzes Leben.
Nein, lieber Herr, das geht nicht an;
So wenig gibt kein reicher Mann.
Ich will Ihm mehr, ich will Ihm hundert Thaler geben,
Und mich von Herzen gern versteh'n,
Ihm jährlich diesen Lohn ansehnlich zu erhöh'n.
Gesetzt, ich müßt' ein Gut verpfänden;
Auch das! Ist's denn ein Bubenstück?
Viel besser, ich verpfänd's zu meiner Kinder Glück,
Als daß sie's reich und lasterhaft, verschwenden."