deutsche dichter de

Weihnacht

<p>Eine Rose hat gebl&uuml;het <br />
Also s&uuml;&szlig;, geheimnisreich, <br />
Da&szlig; selbst Gott f&uuml;r sie ergl&uuml;het, <br />
Und geworden Menschen gleich. <br />
<br />
Keuschheit, Innigkeit und Demut <br />
Schm&uuml;ckten sie mit Farb und Duft, <br />
Da&szlig; ihr Reiz mit frommer Wehmut <br />
Bis zum Throne Gottes ruft. <br />
<br />
Also hat ihr Duft gezogen, <br />
Da&szlig; den St&auml;rksten sie bezwang, <br />
Da&szlig; ihr an das Herz geflogen <br />
Ist der Held, um den sie rang. <br />
<br />
Da&szlig;, der erste und der letzte, <br />
Des allm&auml;cht'gen Gottes Sohn <br />
In den Scho&szlig; der Rose setzte <br />
Aus dem Himmel seinen Thron. <br />
<br />
Wie das Einhorn k&ouml;mmt gesprungen <br />
Gern zu reiner Jungfraun Scho&szlig; <br />
Und sein Haupt, das nie bezwungen <br />
Beuget aller Wildheit blo&szlig;, <br />
<br />
So ihr inniges Verlangen <br />
Zog den Helden in das Land, <br />
Und sie band, den sie gefangen, <br />
Mit der Liebe st&auml;rkstem Band. <br />
<br />
Lieblich hat sie ihn empfangen, <br />
Ach er gr&uuml;&szlig;te so vertraut! <br />
Und sie hat ihn s&uuml;&szlig; umfangen, <br />
Wie den Br&auml;utigam die Braut, <br />
<br />
F&uuml;hrt ihn ein zum Heiligtume, <br />
In des Herzens K&auml;mmerlein, <br />
Wo mit ihm die reine Blume <br />
Mutterselig war allein. <br />
<br />
Wo sie den Geliebten legte <br />
In ein Bettlein keusch und rein, <br />
Und ihm, den sie lieblich pflegte, <br />
Schenkte s&uuml;&szlig;en Balsam ein, <br />
<br />
Da&szlig; der ganz von Lieb' Berauschte <br />
Schlummernd dort neun Monde lag <br />
Und sein eignes Herz belauschte <br />
In des Mutterherzens Schlag. <br />
<br />
Und als nun der Held erwachte, <br />
O da war der Starke lind! <br />
Der da Erd' und Himmel machte, <br />
War ein kleines, s&uuml;&szlig;es Kind. <br />
<br />
Den Unfa&szlig;lichen die Rose <br />
Bindet fest in T&uuml;chlein ein, <br />
Wiegt ihn spielend ein im Scho&szlig;e, <br />
Legt ihn in ein Krippelein. <br />
<br />
Und durch Demut f&uuml;hrt die Holde <br />
Den Allm&auml;cht'gen nah und fern, <br />
Hin und wieder, wo sie wollte, <br />
F&uuml;hrt den Herrn die Magd des Herrn, <br />
<br />
Bringt zum Tempel den Geliebten, <br />
Setzt ihn auf ein Eselein, <br />
F&uuml;hrt ihn fern bis in &Auml;gypten, <br />
Und er folgt dem M&uuml;tterlein, <br />
<br />
Fl&uuml;chtet durch die d&uuml;rre W&uuml;ste <br />
Ihren Sch&ouml;pfer vor Gefahr, <br />
Und es n&auml;hren ihre Br&uuml;ste <br />
Ihren Gott, den sie gebar. <br />
<br />
F&uuml;hret ihren Gott zur&uuml;cke <br />
An der treuen Mutterhand, <br />
Als erlosch des Feindes T&uuml;cke, <br />
In sein ird'sches Vaterland. <br />
<br />
F&uuml;hrt zu seines Tempels Hallen <br />
Den Allm&auml;chtigen, ein Kind, <br />
Lehrt ihn die Gebete lallen, <br />
Die ihm selbst gebetet sind. <br />
<br />
Und als sie im Tempel lehrend <br />
Den Vermi&szlig;ten wiederfand, <br />
Folgt er ihre Mahnung ehrend <br />
Wie ein Kind am G&auml;ngelband. <br />
<br />
Wie geschah dem Gottessohne <br />
Als der edlen Rose Duft <br />
Bis zum hohen Himmelsthrone <br />
Aus den Erdendornen ruft, <br />
<br />
Ganz in Liebe er ergl&uuml;hte <br />
Los er sich vom Vater wand, <br />
Sprang zur wunders&uuml;&szlig;en Bl&uuml;te, <br />
Die da in den Dornen stand. <br />
<br />
Hat die Dornen wohl empfunden, <br />
Ward wohl selbst ein R&ouml;slein rot, <br />
Blutete, von Dorn umwunden, <br />
Aus f&uuml;nf Rosen sich zu tot. <br />
<br />
Und empfangen von der Rose <br />
S&uuml;&szlig; nach weiblicher Natur <br />
Folgt allein er dem Gekose <br />
Ihres lieben Willens nur. <br />
<br />
Und als ihn die S&uuml;&szlig;e, Holde <br />
Schlo&szlig; im keuschen Herzen ein, <br />
Wo sie nur ihn haben wollte, <br />
Trank er also s&uuml;&szlig;en Wein, <br />
<br />
Da&szlig; der Gottheit unermessen <br />
Und der Engel lichte Pracht <br />
Er im Mutterscho&szlig; vergessen, <br />
Wenn die Jungfrau niederlacht, <br />
<br />
Und mit lieblicher Geberde <br />
H&uuml;llt sie in ein Knechtsgewand <br />
Den, der Himmel schuf und Erde, <br />
Liebe zwingt zu niederm Stand. <br />
<br />
Zwinget in dem Sklavenkleide <br />
Ihn so manches bittre Jahr, <br />
Da&szlig; er tue, da&szlig; er leide, <br />
Was er nicht gew&ouml;hnet war. <br />
<br />
Und als nun im Todeskleide <br />
Er ins Elend trat heraus, <br />
Da&szlig; das Lamm in Dornen weide, <br />
Brach es laut in Tr&auml;nen aus. <br />
<br />
F&uuml;hlte gleich die Dornen stechen <br />
Nach des Rosenbettleins Ruh' <br />
Und es war, als wollt' er sprechen: <br />
Ach! wie komme ich dazu? <br />
<br />
Und Maria l&auml;chelt freudig <br />
Dem gefangnen K&ouml;nigssohn, <br />
Mit dir lieb' ich, mit dir leid' ich, <br />
Doch du kommst mir nicht davon! <br />
<br />
Gott sei Preis, da&szlig; fest gebunden <br />
Ich durch Liebe dich, o Held! <br />
Hat dich Liebe &uuml;berwunden, <br />
So besieg' mir nun die Welt! <br />
<br />
Eh' dein Vater zu der Rechten <br />
Dich, o Sohn! erh&ouml;hen soll, <br />
Werd' erst Gnade seinen Knechten, <br />
Denn er hie&szlig; mich gnadenvoll! <br />
<br />
Adam und all seine Kinder <br />
Mu&szlig;t du erst vom Zorn befrein, <br />
Dann magst du, o Trost der S&uuml;nder <br />
Wieder bei dem Vater sein. <br />
<br />
Und da&szlig; dieser nicht dem Sohne, <br />
Und der Sohn sein selber nicht <br />
Zu der S&uuml;nder Heil verschone, <br />
Gieng die Liebe ins Gericht. <br />
<br />
Und es gab das Kind der Rose <br />
All sein Blut so rosenrot, <br />
Fiel aus seiner Mutter Scho&szlig;e <br />
In die Dornen, in den Tod. <br />
<br />
Ach die S&uuml;nder kosten teuer <br />
Kosten Schmerzen ihn genug, <br />
Bis er aus des Zornes Feuer <br />
Sie ins Bad der Gnade trug. <br />
<br />
Und wer nun hier in der Rose <br />
Fein das s&uuml;&szlig;e Kindlein sieht, <br />
Dank' da&szlig; aus der Junfrau Scho&szlig;e <br />
Ihm auch ist das Heil erbl&uuml;ht! <br />
<br />
Hab' dies Weihnachtslied gesungen <br />
Von dem s&uuml;&szlig;en Rosenkind, <br />
Bin von Dornen so umschlungen, <br />
Da&szlig; ich wund und krank und blind. <br />
<br />
Ist drum nicht dies Lied gelungen <br />
Mag es sein, weil wie ein Kind <br />
In den Dornbusch ich gedrungen, <br />
Da&szlig; ich dir ein Str&auml;u&szlig;lein bind'. <br />
<br />
Hab' nur Dornen mir gesammelt, <br />
Geb' dir all die Rosen hin, <br />
O vergieb dem Schmerz der stammelt, <br />
La&szlig; mich scheinen, was ich bin.</p>