deutsche dichter de

Gesang der Liebe als sie geboren war

<p>O Mutter halte dein Kindlein warm<br />
Die Welt ist kalt und helle,<br />
Und leg es sanft in deinen Arm<br />
An deines Herzens Schwelle.</p>
<p>Leg still es wo dein Busen bebt<br />
Und hold herabgeb&uuml;cket,<br />
Harr liebvoll, bis es die &Auml;uglein hebt,<br />
Zum Himmel selig blicket.</p>
<p>Du strahlender Augenhimmel du,<br />
Du taust aus Mutteraugen<br />
Ach Herzenspochen, ach Lust, ach Ruh!<br />
An deinen Br&uuml;sten saugen.</p>
<p>Ich schau zu dir, so Tag als Nacht<br />
Mu&szlig; ewig zu dir schauen<br />
Du mu&szlig;t mir, die mich zur Welt gebracht,<br />
Auch eine Wiege bauen.</p>
<p>Um diese Wiege la&szlig; Seide nicht,<br />
La&szlig; deinen Arm sich schlingen<br />
Und nur deiner milden Augen Licht<br />
La&szlig; zu mir nieder dringen.</p>
<p>Und in deines keuschen Scho&szlig;es Hut<br />
Sollst du dein Kindlein schaukeln,<br />
Da&szlig; deine Worte so mild so gut<br />
Wie Tr&auml;ume es umgaukeln.</p>
<p>Da tr&auml;umt mir, wie ich so ganz allein,<br />
Gewohnt dir unterm Herzen<br />
Wie nur die Freuden und Leiden dein<br />
Mich freuten und mich schmerzten.</p>
<p>Oft rief ich dir, komm! o Mutter komm!<br />
K&uuml;hl dich in Liebeswogen,<br />
Da f&uuml;hltest du dich so sanft, so fromm<br />
Zu dir hinabgezogen,</p>
<p>Mit meiner Seele hielt treu und warm<br />
Ich dich in dir umschlungen,<br />
Und hab dir kindisch Sorg und Harm<br />
In Liedern weggesungen.</p>
<p>Was heilig in dir zu aller Stund,<br />
Das bin ich all gewesen<br />
O k&uuml;&szlig; mich s&uuml;&szlig;er Mund gesund,<br />
Weil du an mir genesen.</p>
<p>So lallt zu dir mein frommes Herz,<br />
Und nimmer lernt es sprechen,<br />
Blickt ewig zu dir, blickt himmelw&auml;rts<br />
Und m&ouml;cht in Freude brechen,</p>
<p>Bricht's nicht in Freud', bricht's doch in Leid,<br />
Bricht es uns alle beiden<br />
Denn Wiedersehn geht fern und weit,<br />
Und nahe geht das Scheiden.</p>
<p>O Mutter halte dein Kindlein warm<br />
Die Welt ist kalt und helle<br />
Und leg es leis, bist du zu arm,<br />
Hin an des Grabes Schwelle.</p>
<p>Leg es in Linnen, die du gewebt,<br />
Zu Blumen, die du gepfl&uuml;cket,<br />
Stirb mit, da&szlig; wenn's die &Auml;uglein hebt,<br />
Bei Gott es dich erblicket.</p>