deutsche dichter de

Nachtcafé

I

824: Der Frauen Liebe und Leben.
Das Cello trinkt rasch mal. Die Flöte
rülpst tief drei Takte lang: das schöne Abendbrot.
Die Trommel liest den Kriminalroman zu Ende.

Grüne Zähne, Pickel im Gesicht
winkt einer Lidrandentzündung.

Fett im Haar
spricht zu offenem Mund mit Rachenmandel
Glaube Liebe Hoffnung um den Hals.

Junger Kropf ist Sattelnase gut.
Er bezahlt für sie drei Biere.

Bartflechte kauft Nelken,
Doppelkinn zu erweichen.

H moll: die 35. Sonate.
Zwei Augen brüllen auf:
Spritzt nicht dies Blut von Chopin in den Saal,
damit das Pack drauf rumlatscht!
Schluß! He, Gigi! -

Die Tür fließt hin: Ein Weib:
Wüste ausgedörrt. Kanaanitisch braun.
Keusch. Höhlenreich. Ein Duft kommt mit. Kaum Duft.
Es ist nur eine süße Vorwölbung der Luft
gegen mein Gehirn.

Eine Fettleibigkeit trippelt hinterher.

II

Die Patentante liest das Universum. -
Frau Schlächtermeister sickert übers Sofa,
unten am Arm aus einem Ballen Fett
arbeitet sich der Daumen vor. -

Erni plätschert in einer Frau, die er auf dem Eis gesehen hat.
Sie ist braun, mütterlich und wird ihn küssen. -
Ich sitze im Geruche einer Frau.
Der klingt aus Heliotrop und Unterleib zusammen
und scheint mir süß, da diese Frau mir fremd ist.
Ihr Freund arbeitet in der Hosentasche.
Vielleicht handelt es sich um einen ausgetretenen Bruch. -

Der Geschäftsführer trägt überall Rechtschaffenheit hin.
Er ist der Pionier der guten Sache.
Seine großen Zehen machen Fluchtversuche
mit den Knöcheln aus den Stiefeln. -

Am Nebentisch wird gegurgelt:
Die Weiber: Ein zu blödsinniges Pack!
Ich habe tatsächlich noch keine gesehen,
die gewußt hätte, warum sich eigentlich die Mühlenflügel
drehen,
ich nehme darüber eine Statistik auf.

Erni ist bei der Frau, die er auf dem Eis gesehen hat.
Er weidet ihre Lippen ab.
Die Leiber spielen aufeinander
unerhörte Melodien. -
Dabei bohrt er einen jüngeren Herren an: -
Der stürzt die linke Faust in seine Hüfte
und aus den Spalten seiner Bekleidung
gebiert er einen Bierzipfel:
Sauve qui peut. -

III

Und dennoch hab ich harter Mann,
Blöken drei blaugraue Zahnstummel
Aus ihrer muffigen Höhle mit.
Und dennoch schlug die Liebe mir,
Wölben sich zwei Hundeschnauzen vor. -

Matchide:
Ida paßt ihre Formen der Musik an.
Buchtet sich ein und aus.
Wirft sich aus ganz ebenen Stellen auf:
"Mensch, Ida, du hast woll een Gelenk zu ville." -

Ein Provinziale ertrinkt in einer Minettschnauze:
Nimm mich hin. Ich will versinken.
Laß mich sterben. Gebäre mich. -

IV

Es lohnt kaum den Kakau. Dann schiebt man ein
Und stürzt: ich bin an Gottes Saum hervor;
Liebst du mich auch? Ich war so sehr allein.

Das Weserlied erregt die Sau gemütlich.
Die Lippen weinen mit. Den Strom herunter.
Das süße Tal! Da sitzt sie mit der Laute.

Der Ober rudert mit den Schlummerpünschen.
Er schwimmt sich frei. Fleischlaub und Hurenherbste,
Ein welker Streif. Fett furcht sich. Gruben röhren:
Das Fleisch ist flüssig; gieß es, wie du willst,
Um dich;
Ein Spalt voll Schreie unser Mund. -

V

Er gibt in weichem Ton von der Verwandtschaft,
Von Städten, wo er war - das reicht fürs Knie.
Quer stößt den Stummelstrauß der Gaumen vor.

Der Bürgerpfuhl tritt auf die Bänke aus:
Pack, Pickel, Ehe, Bärte und Medaillen:
Viele vier Liter Blut, von denen dreie
Am Darm sich mästen; und der vierte
Strotzt am Geschlecht.

Die Hure To entkleidet eine Hand:
Weich, wie aus Fleisch vom Schoße, angelehnt.
Wo sich die Lust befühlt. -