deutsche dichter de

Meiner Liebe

I

An meine Schulter lehne 
Dein schweres Haupt, und schweige 
Und koste jeder Träne 
Wehsüße, lasse Neige.

Es werden Tage kommen, 
Da du nach diesen Tränen 
Verdürstend und beklommen 
Dich wirst vergebens sehnen.

II

Leg mir aufs Haar 
Die Hand; schwer ist mein Haupt, 
Was meine Jugend war, 
Hast du geraubt.

Unwiederbringlich ist dahin 
Der Jugend Glanz, der Freude Born, 
Der mir so unerschöpflich golden schien, 
Und überblieben Weh und Zorn 
Und Nächte, Nächte ohne End, 
In denen wild und fieberheiß 
Der alten Liebeslüste Kreis 
Mein waches Träumen wund durchrennt.

Nur noch in Stunden seltner Rast
Tritt manchmal meine Jugend her
Zu mir, ein scheuer, blasser Gast,
Und stöhnt, und macht das Herz mir schwer ...

Leg mir aufs Haar
Die Hand; schwer ist mein Haupt. 
Was meine Jugend war, 
Hast du geraubt.