deutsche dichter de

Palmström

Palmström kannte einen Herrn
namens Christian Morgenstern.

Dieser bloße Name schon
war perfid und voller Hohn,

denn besagter Morgenstern
schien am Abend grad so gern.

Ferner war er ein Poet,
was der Bürger kaum versteht.

Dieser Morgenstern verfaßte
- (tat er's, weil er Bürger haßte?) -

stets Gedichte voller Hohn,
welche schon durch ihren Ton

jeden Gläubigen und Braven
unfehlbar ins Schwarze trafen,

da sie Tag und Nacht verkehrten,
ja, oft jedes Sinns entbehrten.

Alles schienen diese bösen
Spottgedichte aufzuösen,

was man treu bisher verehrt.
Wer sie las, stand tief verstört.

Weder Herz war, noch Verstand,
weder Thron noch Vaterland

heilig diesem Morgenstern,
dennoch hatt' ihn Palmström gern

Palmström dachte: Jedes Tier
lobt den Herrn mit zwei bis vier

Flügeln, respektive Beinen.
Ihrem Chor wird sich vereinen

auch dies arme Dichtervieh,
dem ja Gott sein Amt verlieh.

Auch in ihm, so toll er scheine,
triumphiert der Ewig-Eine.

Während Palmström also dachte,
sah ihn Morgenstern und lachte.

"Dieser", sprach er, "dünkt sich weise,
duldet mich im Weltenkreise,

während doch zu dem Behuf
ihn mein Dichtergeist erst schuf.

Oder sollte (ach, wer kennt es!)
all mein Dichtens letztenendes

auf nichts anderem basieren
als auf Palmströms Wunsch zu existieren?"