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Ein Brief

Mein hochgeehrter Herr von Klein,
Ihren schmeichelhaften Brief habe ich erhalten,
Der mich einlädt, in Ihrem werten Verein
Einen literarischen Abend abzuhalten.
Aber leider kann ich mich nicht verpflichten,
Noch im Januar kommenden Jahres zu existieren;
Das Existieren freut mich mitnichten,
Schon jetzt beginn ich die Lust daran zu verlieren.

Und was nun meine Dichtungen betrifft,
So wurde Ihnen darüber allzu Hübsches erzählt:
Für Ihren Verein wären sie das reine Gift.
Viele meiner Freunde habe ich damit gequält,
Denn sie meinen, es sei des Dichters Beruf,
In des Bürgers Interesse das Leben stramm zu bejahen,
Wie sie das von so manchem Dichter betätigt sahen,
Der berühmte Romane und herrliche Dramen schuf.
Was mich betrifft, so schrieb ich zwar auch solche Sachen,
In der Lebensbejahung war ich früher groß,
Heute muß ich darüber lachen,
Und wenn ich ehrlich sein will, muß ich gestehen:
Nein, mit dem allzuviel bejahten Leben ist nichts los.

Wenden Sie sich gütigste an andre Adressen,
Wie der Kürschner sie Ihnen zu Hunderten nennt;
An Kürschners Schreibtisch bin ich lange genug gesessen,
Nun ziehe ich vor, gleich dem verlorenen Sohn
Brüderlich zwischen den Schweinen zu sitzen,
Das heißt in der Bar zwischen all den widrigen Fritzen
Cognac zu schlürfen oder Flip oder eine Flasche Beaune.
Dabei ist mir verhältnismäßig wohl,
Ich liebe Jazzmusik und den Alkohol,
Und mit diesem Bekenntnis zum Guten und Schönen
Hoffe ich Sie, sehr geehrter Herr Groß und Klein,
Samt Ihrem so verdienstvollen Verein
Wieder einigermaßen zu versöhnen.