deutsche dichter de

Amor und Psyche auf einem Grabmal

<p>Ein Traum, ein Traum ist unser Leben<br />
Auf Erden hier.<br />
Wie Schatten auf den Wogen schweben<br />
Und schwinden wir<br />
Und messen unsre tr&auml;gen Tritte<br />
Nach Raum und Zeit;<br />
Und sind (und wissen's nicht) in Mitte<br />
Der Ewigkeit.</p>
<p>Nach manchem voller M&uuml;h und Sehnen<br />
Verseufzten Jahr<br />
Umarmte sich in frohen Thr&auml;nen<br />
Ein liebend Paar.<br />
Der Mond sah freundlich auf sie nieder;<br />
Ein zarter Ton<br />
Aus allen B&uuml;schen hallte wider:<br />
&quot;Endymion!</p>
<p>Ach, da&szlig; uns ewig, ewig bliebe<br />
Der Augenblick!<br />
Im ersten holden Ku&szlig; der Liebe,<br />
Das reinste Gl&uuml;ck!&quot;<br />
Verstummend, halbvollendet weilte<br />
Das s&uuml;&szlig;e Wort;<br />
Die Seel' auf Beider Lippen eilte,<br />
Sie eilte fort.</p>
<p>Denn sieh, ein Engel schwebte nieder<br />
Zu ihrem Ku&szlig;<br />
(Gold, himmelblau war sein Gefieder),<br />
Ihr Genius.<br />
Ber&uuml;hrend sie mit sanftem Stabe,<br />
Sprach er: &quot;Erh&ouml;rt<br />
Ist Euer Wunsch. Dort &uuml;berm Grabe<br />
Liebt ungest&ouml;rt!&quot;</p>
<p>Entschwungen auf dem Hauch der Liebe,<br />
Im reinsten Gl&uuml;ck,<br />
Gewi&szlig;, da&szlig; ihnen ewig bliebe<br />
Der Augenblick,<br />
Auf amaranthnen Auen schwebte<br />
Das holde Paar<br />
Mit Allem, was je liebt' und lebte<br />
Und gl&uuml;cklich war.</p>
<p>Mit Allem, was in Wunsch und Glauben<br />
Sich je erfreut,<br />
Genossen sie in vollen Trauben<br />
Unsterblichkeit.<br />
Des Weltalls s&uuml;&szlig;e Symphonieen<br />
Umt&ouml;nten sie;<br />
Der Liebe s&uuml;&szlig;e Harmonieen<br />
Durchwallten sie.</p>
<p>&quot;Wollt Ihr zur&uuml;ck in jene Ferne<br />
Auf Euer Grab?&quot;<br />
Sie sahn vom Himmel goldner Sterne<br />
Zur Erd' hinab.<br />
&quot;O Genius, die Zeit danieden<br />
Ist tr&auml;ge Zeit;<br />
Ein Augenblick hier giebt uns Frieden<br />
Der Ewigkeit.&quot;</p>
<p>Sahst Du auf jenem Grabesh&uuml;gel<br />
Die Liebenden?<br />
Der erste Ku&szlig; gab ihnen Fl&uuml;gel,<br />
Den Seligen.<br />
Und da&szlig; ein Bild von ihnen bliebe<br />
Im ew'gen Ku&szlig;,<br />
Verewigte hier Seel' und Liebe<br />
Der Genius.</p>