deutsche dichter de

Die Dämmerung

<p>Der Aether und die Liebe war <br />
Das &auml;ltste hohe G&ouml;tterpaar; <br />
Sie zeugten die Unsterblichen, <br />
Den Himmel und die Seligen. <br />
<br />
Und tiefer in der Wolken Reich <br />
Ward ihr Geschlecht der Wolke gleich; <br />
Sie, ewig sch&ouml;n und ewig jung, <br />
Erzeugten uns die D&auml;mmerung. <br />
<br />
Aus Licht und Schatten webten sie <br />
Der Menschen t&auml;uschend Dasein hie; <br />
Nur D&auml;mmerung ist unser Blick, <br />
Nur D&auml;mmerung ist unser Gl&uuml;ck. <br />
<br />
Der Jugend holdes Morgenroth <br />
Verbirget, was der Tag uns droht; <br />
Der Blume schw&uuml;len Mittag k&uuml;hlt <br />
Ein Zephyr, der am Abend spielt. <br />
<br />
Und Ohr und Auge t&auml;uscht sich gern; <br />
Das Herz, es pochet in die Fern', <br />
Und w&uuml;nscht und hat, und glaubet's kaum; <br />
Denn auch sein sch&ouml;nstes Gl&uuml;ck ist Traum. <br />
<br />
Die Hoffnung, ewig sch&ouml;n und jung, <br />
Ist uns ein Kind der D&auml;mmerung; <br />
Auch ihre Schwester, Sehnsucht, liebt <br />
Den Schleier, der die Lieb' umgiebt. <br />
<br />
Ich dank' Euch, die Ihr um mich schwebt, <br />
Da&szlig; Ihr die H&uuml;lle mir gewebt; <br />
Doch Lieb' und Aether, leiht, o leiht <br />
Mir einst ein heller Pilgerkleid!</p>