deutsche dichter de

Flora und die Blumen

<p>&raquo;Kinderchen des holden, s&uuml;&szlig;en Fr&uuml;hlings, <br />
H&ouml;rt, o h&ouml;rt der Mutter treue Warnung: <br />
Wenn ein lauer Winterwest Euch heuchelt, <br />
Trauet nicht dem heuchelnd-b&ouml;sen M&ouml;rder! <br />
<br />
Wartet, bis der goldne Vater rufet, <br />
Bis die treue Mutter Euch erscheinet, <br />
Die Euch weckt aus Euren Winterbetten <br />
Und Euch Kleider bringt und sch&ouml;ne H&auml;ubchen.&laquo; <br />
<br />
Also sprach zu ihren Blumenkindern <br />
Flora scheidend und ging auf zum Himmel. <br />
Alle Blumen sagten ihr Gehorsam <br />
Und Geduld zu, bis sie wiederk&auml;me. <br />
<br />
Als sie kam, der goldne Vater Fr&uuml;hling <br />
Rief die Kinder aus dem Winterschlafe, <br />
Und die Mutter brachte sch&ouml;ne Kleider, <br />
Lief umher und sucht' und z&auml;hlet' alle. <br />
<br />
Ach, da fand sie manche sch&ouml;ne Knospe, <br />
Fr&uuml;h hervorgelockt vom b&ouml;sen M&ouml;rder; <br />
Ausgetreten war sie aus der Zelle, <br />
Hatt' hervorgeblickt mit ihren Aeuglein <br />
<br />
Und war bald erstarret, von des b&ouml;sen, <br />
Heuchelnden Verf&uuml;hrers Hauch vergiftet; <br />
Denn der Winterwest war Frost geworden, <br />
Und erstarret stand das arme Bl&uuml;mchen. <br />
<br />
Traurig rief die Mutter ihrem Zephyr, <br />
Der es brach; und sie begrub es traurig. <br />
Seht, die ungeduldig-fr&uuml;he Blume <br />
Prangt nun nimmermehr im Lenz der Flora.</p>