deutsche dichter de

Liebe und Gegenliebe

<p>Als einst die Mutter der Anmuth <br />
Den Knaben Amor gebar, <br />
Bekr&auml;nzt' er, ein einziges S&ouml;hnchen, <br />
Mit Rosen sein lockiges Haar. <br />
<br />
Er schuf nur Qualen den Herzen; <br />
Die zarte, s&uuml;&szlig;ere Pflicht, <br />
Mit Liebe Liebe zu lohnen, <br />
Die kannte der Fl&uuml;chtige nicht. <br />
<br />
Und manche beleidigte G&ouml;ttin <br />
Und mancher beleidigte Gott, <br />
Sie z&uuml;rnten Alle dem Knaben <br />
Und schufen ihm Fl&uuml;gel zum Spott. <br />
<br />
Bis einst Urania selber <br />
Ein sch&ouml;neres Mittel ersann: <br />
Sie ward zur Welle des Meeres <br />
Und blickte den Lieblichen an. <br />
<br />
Er sieht im Meere sein Bildni&szlig; <br />
Und wird von Liebe beseelt <br />
Und f&uuml;hlt nun selber die Schmerzen, <br />
Mit denen er Andre gequ&auml;lt. <br />
<br />
Umfangen will er das Wahnbild, <br />
Ihm in der Welle so nah, <br />
Und sieh, sein sch&ouml;nerer Bruder <br />
Steht vor dem Liebenden da. <br />
<br />
&raquo;Wer bist Du?&laquo; spricht er verwirret. <br />
&raquo;Du selbst, Dein Bruder bin ich. <br />
La&szlig; uns versuchen im Kampfe! <br />
Vielleicht besiegest Du mich.&laquo; <br />
<br />
Und seitdem ringen die Beiden <br />
Der Liebe m&auml;chtigen Streit; <br />
Wo Einer Herzen verwundet, <br />
Ist nie der Andere weit. <br />
<br />
Wo Liebe, schaffende Liebe <br />
Hinschaut mit zauberndem Blick, <br />
Kommt ihr vom Bilde des Anschauns <br />
Die Gegenliebe zur&uuml;ck.</p>