deutsche dichter de

Nachts

Meine Seele ist wie eine Straßenlaterne.  
Wenn es Nacht wird und die Sterne  
aufgehn, beginnt sie zu sein.  
Mit zitterndem Schein  
tastet sie durchs Dunkel,  
verliebt wie die Katzen  
auf nächtlichen Dächern, mit grünem Gefunkel  
in den Augen. Menschen und Spatzen  
schlafen.  
Nur die Schiffe schwanken im Hafen.  

Hebt der Mond sich über den Rand  
von einem Kirchendache,  
ist in meinen Augen  
knisternd ein Streichholz auf geflammt,  
und ich lache.  

Regen rinnt –  
bei mir sind  
nur mein Schatten und der Wind.  
Und meine Hände haben noch den Duft  
von irgendeinem schönen Kind.