deutsche dichter de

Das ist unser Manifest

<p>Helm ab Helm ab: - Wir haben verloren ! Die Kompanien sind auseinandergelaufen. Die Kompanien, Bataillone, Armeen. Die gro&szlig;en Armeen. Nur die Heere der Toten, die stehn noch. Stehn wie un&uuml;bersehbare W&auml;lder: dunkel, lila, voll Stimmen. Die Kanonen  aber liegen wie erfrorene Urtiere mit steifem Gebein. Lila vor Stahl und &uuml;berrumpelter Wut. Und die Helme, die rosten. Nehmt die verrosteten Helme ab: Wir haben verloren.  <br />
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In unsern Kochgeschirren holen magere Kinder jetzt Milch. Magere Milch. Die Kinder sind lila vor Frost. Und die Milch ist lila vor Armut. Wir werden nie mehr antreten auf einen Pfiff hin und Jawohl sagen auf  ein Gebr&uuml;ll. Die Kanonen und die Feldwebel br&uuml;llen nicht mehr. Wir werden weinen, schei&szlig;en und singen, wann wir wollen. Aber das Lied von den brausenden Panzern und das Lied von dem Edelwei&szlig; werden wir  niemals mehr singen. Denn die Panzer und die Feldwebel brausen nicht  mehr und das Edelwei&szlig;, das ist verrottet unter dem blutigen Singsang. Und kein General sagt mehr Du zu uns vor der Schlacht. Vor der furchtbaren Schlacht. <br />
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Wir werden nie mehr Sand in den Z&auml;hnen haben vor Angst. (Keinen Steppensand, keinen ukrainischen und keinen aus der Cyrenaika oder den der Normandie -und nicht den bitteren b&ouml;sen Sand unserer Heimat!) Und nie mehr das hei&szlig;e tolle Gef&uuml;hl in Gehirn und Ged&auml;rm vor der Schlacht.  <br />
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Nie werden wir wieder so gl&uuml;cklich sein, da&szlig; ein anderer neben uns ist. Warm ist und da ist und atmet und r&uuml;lpst und summt - nachts auf dem Vormarsch. Nie werden wir wieder so zigeunerig gl&uuml;cklich sein &uuml;ber ein Brot und f&uuml;nf Gramm Tabak und &uuml;ber zwei Arme voll Heu. Denn wir werden nie wieder zusammen marschieren, denn jeder marschiert von nun an allein. Das ist sch&ouml;n. Das ist schwer. Nicht mehr den sturen  knurrenden Andern bei sich zu haben - nachts, nachts beim Vormarsch. Der alles mit anh&ouml;rt. Der niemals was sagt. Der alles verdaut. Und wenn nachts einer weinen mu&szlig;, kann er es wieder. Dann braucht er nicht mehr zu singen - vor Angst. <br />
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Jetzt ist unser Gesang der Jazz. Der erregte hektische Jazz ist unsere Musik. Und das hei&szlig;e verr&uuml;ckttolle Lied, durch das das Schlagzeug  hinhetzt, katzig, kratzend. Und manchmal nochmal das alte sentimentale Soldatengegr&ouml;l, mit dem man die Not &uuml;berschrie und den M&uuml;ttern absagte.  Furchtbarer M&auml;nnerchor aus b&auml;rtigen Lippen, in die einsamen D&auml;m- merungen der Bunker und der G&uuml;terz&uuml;ge gesungen,  mundharmonikablech&uuml;berzittert : <br />
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M&auml;nnlicher M&auml;nnergesang -hat keiner die Kinder geh&ouml;rt, die sich die Angst vor den lilanen L&ouml;chern der Kanonen weggr&ouml;lten? Heldischer M&auml;nnergesang -hat keiner das Schluchzen der Herzen geh&ouml;rt, wenn sie Juppheidi sangen, die Verdreckten, Krustigen, B&auml;rtigen, &uuml;berlausten ? <br />
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M&auml;nnergesang, Soldatengegr&ouml;l, sentimental und &uuml;berm&uuml;tig, m&auml;nn- lich und ba&szlig;kehlig, auch von den J&uuml;nglingen m&auml;nnlich gegr&ouml;lt: H&ouml;rt keiner den Schrei nach der Mutter? Den letzten Schrei des Abenteurers Mann? Den furchtbaren Schrei: Juppheidi? <br />
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Unser Juppheidi und unsere Musik sind ein Tanz &uuml;ber den Schlund, der uns ang&auml;hnt. Und diese Musik ist der Jazz. Denn unser Herz und unser Hirn haben denselben hei&szlig;kalten Rhythmus: den erregten, verr&uuml;ckten und hektischen, den hemmungslosen. <br />
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Und unsere M&auml;dchen, die haben denselben hitzigen Puls in den H&auml;n- den und H&uuml;ften. Und ihr Lachen ist heiser und br&uuml;chig und  klarinettenhart. Und ihr Haar, das knistert wie Phosphor. Das brennt.  Und ihr Herz, das geht in Synkopen, wehm&uuml;tig wild. Sentimental. So sind unsere  M&auml;dchen: wie Jazz. Und so sind die N&auml;chte, die m&auml;dchenklirrenden N&auml;chte: wie Jazz: hei&szlig; und hektisch. Erregt. <br />
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Wer schreibt f&uuml;r uns eine neue Harmonielehre? Wir brauchen keine wohltemperierten Klaviere mehr. Wir selbst sind zuviel Dissonanz. Wer macht f&uuml;r uns ein lilanes Geschrei? Eine lilane Erl&ouml;sung ? Wir brauchen keine Stilleben mehr. Unser Leben ist laut. <br />
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Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik. Zu guter Grammatik fehlt  uns Geduld. Wir brauchen die mit dem hei&szlig;en heiser geschluchzten  Gef&uuml;hl. Die zu Baum Baum und zu Weib Weib sagen und ja sagen und nein sagen: laut und deutlich und dreifach und ohne Konjunktiv. <br />
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F&uuml;r Semikolons haben wir keine Zeit und Harmonien machen uns weich und die Stilleben &uuml;berw&auml;ltigen uns: Denn lila sind nachts unsere Himmel. Und das Lila gibt keine Zeit f&uuml;r Grammatik, das Lila ist schrill und ununterbrochen und toll. &Uuml;ber den Schornsteinen, &uuml;ber den D&auml;chern : die Welt: lila. &Uuml;ber unseren hingeworfenen Leibern die schattigen  Mulden: die blaubeschneiten Augenh&ouml;hlen der Toten im Eissturm, die  violettw&uuml;tigen Schl&uuml;nde der kalten Kanonen -und die lilane Haut unserer M&auml;dchen am Hals und etwas unter der Brust. Lila ist nachts das Gest&ouml;hn der Verhungernden und das Gestammel der K&uuml;ssenden. Und die Stadt steht so lila am n&auml;chtlich lilanen Strom. <br />
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Und die Nacht ist voll Tod: Unsere Nacht. Denn unser Schlaf ist voll Schlacht. Unsere Nacht ist im Traumtod voller Gefechtsl&auml;rm. Und die nachts bei uns bleiben, die lilanen M&auml;dchen, die wissen das und morgens sind sie noch bla&szlig; von der Not unserer Nacht. Und unser Morgen ist voller Alleinsein. Und unser Alleinsein ist dann morgens wie Glas.  Zerbrechlich und k&uuml;hl. Und ganz klar. Es ist das Alleinsein des Mannes. Denn wir haben unsere M&uuml;tter bei den w&uuml;tennden Kanonen verloren. Nur unsere Katzen und K&uuml;he und die L&auml;use und die Regenw&uuml;rmer, die ertragen das gro&szlig;e eisige Alleinsein. Vielleicht sind sie nicht so  nebeneinander wie wir. Vielleicht sind sie mehr mit der Welt. Mit dieser  ma&szlig;losen Welt. In der unser Herz fast erfriert. <br />
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Wovon unser Herz rast? Von der Flucht. Denn wir sind der Schlacht und den Schl&uuml;nden erst gestern entkommen in heilloser Flucht. Von der furchtbaren Flucht von einem Granatloch zum andern - die m&uuml;tterlichen Mulden - davon rast unser Herz noch -und noch von der Angst. Horch hinein in den Tumult deiner Abgr&uuml;nde. Erschrickst du? H&ouml;rst du den Chaoschoral aus Mozartmelodien und Herms Niel-Kantaten? H&ouml;rst du H&ouml;lderlin noch? Kennst du ihn wieder, blutberauscht, kost&uuml;miert  und Arm in Arm mit Baldur von Schirach ? H&ouml;rst du das Landserlied?  H&ouml;rst du den Jazz und den Luthergesang? <br />
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Dann versuche zu sein &uuml;ber deinen lilanen Abgr&uuml;nden. Denn der Morgen,  der hinter den Grasdeichen und Teerd&auml;chern aufsteht, kommt nur aus dir selbst. Und hinter allem? Hinter allem, was du Gott, Strom und Stern, Nacht, Spiegel oder Kosmos und Hilde oder Evelyn nennst - hinter allem stehst immer du selbst. Eisig einsam. Erb&auml;rmlich. Gro&szlig;.  Dein Gel&auml;chter. Deine Not. Deine Frage. Deine Antwort. Hinter allem,  uniformiert, nackt oder sonstwie kost&uuml;miert, schattenhaft verschwankt,  in fremder fast scheuer ungeahnt grandioser Dimension: Du selbst. Deine Liebe. Deine Angst. Deine Hoffnung. <br />
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Und wenn unser Herz, dieser erb&auml;rmliche herrliche Muskel, sich selbst nicht mehr ertr&auml;gt - und wenn unser Herz uns zu weich werden will in den Sentimentalit&auml;ten, denen wir ausgeliefert sind, dann werden wir laut ordin&auml;r. Alte Sau, sagen wir dann zu der, die wir am meisten lieben. Und wenn Jesus oder der Sanftm&uuml;tige, der einem immer nachl&auml;uft im Traum, nachts sagt: Du, sei gut! - dann machen wir eine freche  Respektlosigkeit zu unserer Konfession und fragen: Gut, Herr Jesus,  warum ? Wir haben mit den toten Iwans vorm Erdloch genauso gut in Gott gepennt. Und im Traum durchl&ouml;chern wir alles mit unsern M. Gs. : Die Iwans. Die Erde. Den Jesus. <br />
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Nein, unser W&ouml;rterbuch, das ist nicht sch&ouml;n. Aber dick. Und es stinkt. Bitter wie Pulver. Sauer wie Steppensand. Scharf wie Schei&szlig;e. Und laut wie Gefechtsl&auml;rm. <br />
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Und wir prahlen uns schnodderig &uuml;ber unser empfindliches deutsches Rilke-Herz r&uuml;ber. &Uuml;ber Rilke, den fremden verlorenen Bruder, der unser Herz ausspricht und der uns unerwartet zu Tr&auml;nen verf&uuml;hrt: Aber wir wollen keine Tr&auml;nenozeane beschw&ouml;ren - wir m&uuml;ssen denn alle ersaufen.  Wir wollen grob und proletarisch sein, Tabak und Tomaten bauen und l&auml;rmende Angst haben bis ins lilane Bett - bis in die lilanen  M&auml;dchen hinein. Denn wir lieben die l&auml;rmend laute Angabe, die  unrilkesche, die uns &uuml;ber die Schlachttr&auml;ume hin&uuml;berrettet und &uuml;ber die lilanen  Schl&uuml;nde der N&auml;chte, der blut&uuml;bergossenen &Auml;cker, der sehns&uuml;chtigen  blutigen M&auml;dchen. <br />
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Denn der Krieg hat uns nicht hart gemacht, glaubt doch das nicht, und nicht roh und nicht .leicht. Denn wir tragen viele weltschwere  w&auml;chserne Tote auf unseren mageren Schultern. Und unsere Tr&auml;nen, die  sa&szlig;en noch niemals so lose wie nach diesen Schlachten. Und darum lieben wir das l&auml;rmende laute lila Karussell, das jazzmusikene, das &uuml;ber unsere Schl&uuml;nde r&uuml;berorgelt, dr&ouml;hnend, clownig, lila, bunt und bl&ouml;de -viel- leicht. Und unser Rilke-Herz - ehe der Clown kr&auml;ht -haben wir es dreimal verleugnet. Und unsere M&uuml;tter weinen bitterlich. Aber sie, sie wenden sich nicht ab. Die M&uuml;tter nicht ! <br />
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Und wir wollen den M&uuml;ttern versprechen : <br />
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M&uuml;tter, daf&uuml;r sind die Toten nicht tot: F&uuml;r das marmorne Kriegerdenkmal,  das der beste ortsans&auml;ssige Steinmetz auf dem Marktplatz baut - von lebendigem Gras umgr&uuml;nt, mit B&auml;nken drin f&uuml;r Witwen und  Prothesentr&auml;ger. Nein, daf&uuml;r nicht. Nein, daf&uuml;r sind die Toten nicht  tot: Da&szlig; die &Uuml;berlebenden weiter in ihren guten Stuben leben und immer wieder neue und dieselben guten Stuben mit Rekrutenfotos und Hinden- burgportraits. Nein, daf&uuml;r nicht. <br />
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Und daf&uuml;r, nein, daf&uuml;r haben die Toten ihr Blut nicht in den Schnee laufen lassen, in den na&szlig;kalten Schnee ihr lebendiges m&uuml;tterliches Blut: Da&szlig; dieselben Studienr&auml;te ihre Kinder nun ben&auml;seln, die schon die V&auml;ter so brav f&uuml;r den Krieg pr&auml;parierten. (Zwischen Langemarck und Stalingrad lag nur eine Mathematikstunde.) Nein, M&uuml;tter, daf&uuml;r starbt ihr nicht in jedem Krieg zehntausendmal ! <br />
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Das geben wir zu: Unsere Moral hat nichts mehr mit Betten, Br&uuml;sten, Pastoren oder Unterr&ouml;cken zu tun - wir k&ouml;nnen nicht mehr tun als gut sein. Aber wer will das messen, das &laquo;Gut&raquo;? Unsere Moral ist die  Wahrheit. Und die Wahrheit ist neu und hart wie der Tod. Doch auch so milde, so &uuml;berraschend und so gerecht. Beide sind nackt. <br />
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Sag deinem Kumpel die Wahrheit, beklau ihn im Hunger, aber sag es ihm dann. Und erz&auml;hl deinen Kindern nie von dem heiligen Krieg : Sag die Wahrheit, sag sie so rot wie sie ist: voll Blut und  M&uuml;ndungsfeuer und Geschrei. Beschwindel das M&auml;dchen noch nachts, aber  morgens, morgens sag dann die Wahrheit: Sag, da&szlig; du gehst und f&uuml;r immer. Sei gut wie der Tod. Nitschewo. Kaputt. For ever. Parti, perdu und never more.    <br />
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Denn wir sind Neinsager. Aber wir sagen nicht nein aus Verzweiflung.  Unser Nein ist Protest. Und wir haben keine Ruhe beim K&uuml;ssen, wir Nihilisten. Denn wir m&uuml;ssen in das Nichts hinein wieder ein Ja  bauen. H&auml;user m&uuml;ssen wir bauen in die freie Luft unseres Neins, &uuml;ber den Schl&uuml;nden, den Trichtern und Erdl&ouml;chern und den offenen M&uuml;ndern der Toten: H&auml;user bauen in die reingefegte Luft der Nihilisten, H&auml;user aus Holz und Gehirn und aus Stein und Gedanken.. <br />
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Denn wir lieben diese gigantische W&uuml;ste, die Deutschland hei&szlig;t. Dies Deutschland lieben wir nun. Und jetzt am meisten. Und um Deutsch- land wollen wir nicht sterben. Um Deutschland wollen wir leben. &Uuml;ber den lilanen Abgr&uuml;nden. Dieses bissige, bittere, brutale Leben. Wir  nehmen es auf uns f&uuml;r diese W&uuml;ste. F&uuml;r Deutschland. Wir wollen dieses Deutschland lieben wie die Christen ihren Christus: Um sein Leid. <br />
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Wir wollen diese M&uuml;tter lieben, die Bomben f&uuml;llen mu&szlig;ten - f&uuml;r ihre S&ouml;hne. Wir m&uuml;ssen sie lieben um dieses Leid. <br />
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Und die Br&auml;ute, die nun ihren Helden im Rollstuhl spazierenfahren, ohne blinkernde Uniform - um ihr Leid. <br />
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Und die Helden, die H&ouml;lderlinhelden, f&uuml;r die kein Tag zu hell und keine Schlacht schlimm genug war - wir wollen sie lieben um ihren ge- brochenen Stolz, um ihr umgef&auml;rbtes heimliches Nachtw&auml;chterdasein. <br />
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Und das M&auml;dchen, das eine Kompanie im n&auml;chtlichen Park verbrauchte und  die nun immer noch Schei&szlig;e sagt und von Krankenhaus zu Kran- kenhaus wallfahrten mu&szlig; - um ihr Leid. <br />
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Und den Landser, der nun nie mehr lachen lernt - <br />
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und den, der seinen Enkeln noch erz&auml;hlt von einunddrei&szlig;ig Toten nachts vor seinem, vor Opas M. G. - <br />
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sie alle, die Angst haben und Not und Demut: Die wollen wir lieben in all ihrer Erb&auml;rmlichkeit. Die wollen wir lieben wie die Christen  ihren Christus: Um ihr Leid. Denn sie sind Deutschland. Und dieses Deutschland  sind wir doch selbst. Und dieses Deutschland m&uuml;ssen wir doch wieder  bauen im Nichts, &uuml;ber Abgr&uuml;nden: Aus unserer Not, mit unserer Liebe. Denn wir lieben dieses Deutschland doch. Wie wir die St&auml;dte  lieben um ihren Schutt - so wollen wir die Herzen um die Asche ihres  Leides lieben. Um ihren verbrannten Stolz, um ihr verkohltes  Heldenkost&uuml;m, um ihren versengten Glauben, um ihr zertr&uuml;mmertes  Vertrauen, um ihre ruinierte Liebe. Vor allem m&uuml;ssen wir die M&uuml;tter lieben, ob sie nun achtzehn oder achtundsechzig sind - denn die M&uuml;tter sollen uns die Kraft geben f&uuml;r dies Deutschland im Schutt.  <br />
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Unser Manifest ist die Liebe. Wir wollen die Steine in den St&auml;dten  lieben, unsere Steine, die die Sonne noch w&auml;rmt, wieder w&auml;rmt nach der Schlacht - <br />
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Und wir wollen den gro&szlig;en Uuh-Wind wieder lieben, unseren Wind, der immer noch singt in den W&auml;ldern. Und der auch die gest&uuml;rzten Bal- ken besingt - <br />
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Und die gelbwarmen Fenster mit den Rilkegedichten dahinter - <br />
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Und die rattigen Keller mit den lilagehungerten Kindern darin - <br />
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Und die H&uuml;tten aus Pappe und Holz, in denen die Menschen noch essen,  unsere Menschen, und noch schlafen. Und manchmal noch singen. <br />
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Und manchmal und manchmal noch lachen - <br />
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Denn das ist Deutschland. Und das wollen wir lieben, wir, mit verrostetem Helm und verlorenem Herzen hier auf der Welt.  <br />
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Doch, doch: Wir wollen in dieser wahn-witzigen Welt noch wieder, immer wieder lieben!</p>